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Neue Website oder falsches Problem? Warum viele Unternehmen zuerst über Vertrieb sprechen sollten

Eine neue Website löst nicht immer das eigentliche Problem. Wann sie sinnvoll ist — und wann zuerst Strategie, Angebot oder Vertrieb geklärt werden müssen.

Andreas Rüdiger
Neue Website oder falsches Problem? Warum viele Unternehmen zuerst über Vertrieb sprechen sollten
Inhaltsverzeichnis
  1. Warum viele Unternehmen die falsche Frage stellen
  2. Drei Signale, dass Ihre Website nicht das eigentliche Problem ist
  3. Es kommen keine Anfragen, obwohl Besucher da sind
  4. In zehn Sekunden versteht niemand, was Sie eigentlich anbieten
  5. Empfehlungen funktionieren, die Website aber nicht
  6. Wann eine neue Website wirklich sinnvoll ist
  7. Warum Strategie vor Entwicklung kommt
  8. Fazit

Sie haben eine veraltete Website. Vielleicht kommen darüber keine Anfragen. Vielleicht kommen die falschen. Die naheliegende Schlussfolgerung: eine neue Website. Diese Schlussfolgerung ist häufig falsch.

Warum viele Unternehmen die falsche Frage stellen

Eine neue Website kostet zwischen einigen Hundert und mehreren Zehntausend Euro. Sie dauert Wochen bis Monate in der Umsetzung. Und sie löst das eigentliche Problem oft nicht — weil das eigentliche Problem woanders liegt.

Die Website ist das, was sichtbar ist. Was Besucher sehen, was Interessenten beurteilen, was in Gesprächen erwähnt wird. Das macht sie zum offensichtlichen Kandidaten, wenn etwas im Vertrieb nicht stimmt. Aber sichtbar sein und kausal sein sind zwei verschiedene Dinge.

Ein Unternehmen, das nicht klar sagen kann, was es anbietet, für wen und warum ein Interessent gerade bei diesem Anbieter kaufen soll — dieses Unternehmen wird auch mit einer neuen Website keine besseren Ergebnisse erzielen. Es wird dasselbe Problem schöner verpacken.

Drei Signale, dass Ihre Website nicht das eigentliche Problem ist

Es kommen keine Anfragen, obwohl Besucher da sind

Wenn Ihre Website Traffic hat, aber keine Anfragen erzeugt, liegt das selten am Design. Es liegt daran, dass Besucher nicht verstehen, was der konkrete nächste Schritt ist — oder dass das Angebot sie nicht überzeugt. Beides ist kein Website-Problem. Beides ist ein Angebots- oder Positionierungsproblem.

Eine neue Website ändert die Botschaft nicht. Sie verändert nur die Verpackung. Wenn die Botschaft schwach ist, hilft ein neues Layout nicht weiter.

In zehn Sekunden versteht niemand, was Sie eigentlich anbieten

Besucher landen auf Ihrer Seite, lesen den ersten Satz — und wissen immer noch nicht, ob Sie der richtige Ansprechpartner für ihr Problem sind. Sie scrollen, warten auf Klarheit. Wenn sie bis zum Ende scrollen müssen, um zu verstehen, was Sie machen, ist das Gespräch schon verloren.

Der Fehler ist fast nie das Template. Der Fehler ist, dass der Anbieter selbst nicht präzise sagen kann, was er für wen löst. Das ist ein strategisches Problem — kein Designproblem.

Empfehlungen funktionieren, die Website aber nicht

Wenn Sie über persönliche Empfehlungen regelmäßig neue Kunden gewinnen, Ihre Website aber keine Anfragen erzeugt — dann ist das ein eindeutiges Signal. Empfehlungsgeber erklären, was Sie machen und warum jemand mit Ihnen sprechen sollte. Ihre Website macht das nicht.

Das bedeutet: Das Angebot ist gut genug. Die Kommunikation des Angebots ist es nicht. Und diese Kommunikation neu aufzusetzen ist keine Designentscheidung.

Wann eine neue Website wirklich sinnvoll ist

Es gibt Situationen, in denen eine neue Website die richtige Antwort ist. Dann nämlich, wenn die Grundlagen stimmen — wenn klar ist, was angeboten wird, für wen, mit welchem Nutzen — und die bestehende Website technisch oder strukturell nicht mehr liefert, was gebraucht wird.

Konkret: Die Seite lädt langsam. Die mobile Darstellung ist nicht nutzbar. Das CMS erlaubt keine sinnvollen Aktualisierungen mehr. Oder: Das Unternehmen hat sich weiterentwickelt, die Positionierung ist klar, das Angebot hat sich verändert — und die bisherige Website bildet das schlicht nicht mehr ab.

In diesen Fällen ist eine neue Website sinnvoll. Und in diesen Fällen wissen Sie auch, was hineinmuss.

Warum Strategie vor Entwicklung kommt

Eine Webagentur, die mit Farben und Layouts beginnt, bevor die Kernfrage beantwortet ist — was soll diese Website konkret auslösen? — arbeitet rückwärts. Sie baut eine Hülle, für die der Inhalt später zusammengesucht wird. Das Ergebnis ist fast immer eine Website, die niemanden wirklich anspricht.

Die ersten Fragen vor jeder Entwicklung sollten lauten: Was ist das konkrete Ziel dieser Website? Wen wollen Sie erreichen, und was wissen diese Menschen bereits, wenn sie ankommen? Was soll ein Besucher als erstes verstehen — und was soll er danach tun?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, ergeben Struktur, Inhalt und Design Sinn. Wer diese Reihenfolge umdreht, zahlt zweimal: einmal für die Website, einmal für die Korrektur.

Fazit

Eine neue Website kann die richtige Investition sein. Sie ist es dann, wenn die Grundlagen stimmen und die technischen oder strukturellen Voraussetzungen fehlen. Sie ist es nicht, wenn das eigentliche Problem Positionierung, Angebot oder Nutzenkommunikation ist.

Bevor Sie ein Budget freigeben, lohnt sich eine ehrliche Einordnung: Was genau läuft nicht — und wäre eine neue Website die Antwort darauf? Wenn Sie sich bei dieser Frage unsicher sind, sprechen Sie mit jemandem, der Ihnen die Wahrheit sagt — auch wenn die Antwort lautet, dass Sie zuerst etwas anderes klären müssen.

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Über den Autor

Andreas Rüdiger

Andreas Rüdiger ist Gründer und Geschäftsführer der INREMA Unternehmensberatung GmbH in Bad Wünnenberg. Er berät mittelständische Unternehmen in den Bereichen Strategie, Digitalisierung, Vertrieb und Organisationsentwicklung — und übernimmt bei Bedarf selbst operative Führungsverantwortung auf Zeit.

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