Interim Management

Interim vs. sofortige Festanstellung: Eine ehrliche Abwägung

6 Min. Lesezeit
Kurze Antwort

Interim ist richtig, wenn Geschwindigkeit und Flexibilität zählen. Festanstellung ist richtig, wenn langfristige Kulturentwicklung und Kontinuität entscheidend sind. Beide Wege haben ihren Preis.

Die Frage ist nicht, was günstiger ist. Die Frage ist, was die Situation wirklich braucht. Interim und Festanstellung lösen unterschiedliche Probleme – und welche Lösung passt, hängt von fünf konkreten Faktoren ab.

Worum es wirklich geht

Das spricht für Interim Management

  • Sofortbedarf: Die Lücke muss in zwei bis vier Wochen geschlossen werden
  • Befristeter Bedarf: Das Problem ist zeitlich klar begrenzt (Projekt, Restrukturierung, Überbrückung)
  • Spezialkompetenz: Es wird Expertise gebraucht, die dauerhaft nicht im Haus benötigt wird
  • Flexibilität: Das Unternehmen will sich nicht langfristig binden
  • Neutralität: Ein Externer kann Entscheidungen treffen, die intern politisch belastet wären

Das spricht für sofortige Festanstellung

  • Langfristige Führungsaufgabe: Die Position wird dauerhaft besetzt bleiben
  • Kulturentwicklung: Die Führungskraft soll das Team und die Unternehmenskultur prägen
  • Budget: Der Interim-Tagessatz ist auf Dauer nicht tragbar
  • Teamkontinuität: Das Team braucht eine dauerhafte Vertrauensperson
  • Nachfolgeplanung: Die Stelle ist Teil einer mittelfristigen Unternehmensstrategie

Entscheidungsprozess: So kommen Sie zur richtigen Antwort

  1. Schritt 1: Zeithorizont klären

    Wie lange wird die Führungskraft gebraucht – weniger als 18 Monate oder dauerhaft? Weniger als 18 Monate spricht klar für Interim. Dauerhaft spricht für Festanstellung, aber nicht unbedingt gegen eine Überbrückung per Interim.

  2. Schritt 2: Verfügbarkeit und Dringlichkeit prüfen

    Wie lange dauert eine Festanstellung realistischerweise – Ausschreibung, Gespräche, Kündigungsfrist, Onboarding? In der Praxis vier bis acht Monate. Wenn das Unternehmen diese Zeit nicht hat, ist Interim die richtige erste Entscheidung – unabhängig davon, ob danach fest eingestellt wird.

  3. Schritt 3: Kompetenzbedarf analysieren

    Welche Kompetenz wird gebraucht – dauerhaft oder einmalig? Wer einen Restrukturierungsexperten braucht, braucht ihn nicht dauerhaft im Haus. Wer eine Vertriebsleitung aufbauen will, braucht jemanden, der das langfristig trägt.

  4. Schritt 4: Kostentransparenz herstellen

    Interim kostet 1.000–2.500 Euro pro Tag, aber ohne Lohnnebenkosten, Urlaub, Abfindungsrisiko und Fehlbesetzungskosten. Eine Festanstellung auf Führungsebene kostet bei Fehlbesetzung schnell das Zwei- bis Dreifache des Jahresgehalts. Beide Wege ehrlich durchrechnen.

  5. Schritt 5: Hybridmodell prüfen

    Interim zur Überbrückung, parallel Festanstellung suchen, Interim Manager übergibt an Nachfolger. Das ist in der Praxis häufig die intelligenteste Lösung – teurer als eine der beiden reinen Optionen, aber deutlich risikoärmer als eine Fehlbesetzung.

Achtung: Die versteckten Kosten einer Fehlbesetzung

Eine falsche Festanstellung auf Führungsebene kostet im Schnitt das 1,5- bis 3-fache des Jahresgehalts – durch Produktivitätsverlust, Teamschäden, Abfindung und erneute Suche. Das relativiert den Tagessatz eines guten Interim Managers erheblich.

Tipp: Interim und Festanstellung schließen sich nicht aus

Der häufigste Denkfehler: Entweder-oder. In der Praxis ist die stärkste Lösung oft: Interim Manager überbrückt und begleitet gleichzeitig die Suche nach dem Festangestellten. So läuft das Unternehmen stabil, und die Festanstellung kann ohne Zeitdruck richtig besetzt werden.

Sie stehen vor der Entscheidung Interim oder Festanstellung? INREMA hilft Ihnen, die richtige Wahl für Ihre Situation zu treffen.

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Häufige Fragen

Ist Interim Management wirklich teurer als eine Festanstellung?
Auf den Tagessatz bezogen ja – aber dieser Vergleich greift zu kurz. Interim hat keine Lohnnebenkosten, keine Kündigungsfristen und kein Fehlbesetzungsrisiko. Bei einer Führungsposition im mittleren Management ist ein sechsmonatiges Interim-Mandat oft günstiger als eine Fehlbesetzung.
Wie schnell kann ein Interim Manager starten?
In der Regel innerhalb von ein bis vier Wochen. Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber einer Festanstellung, bei der allein die Kündigungsfrist des Kandidaten drei bis sechs Monate betragen kann.
Kann ein Interim Manager später in eine Festanstellung übernommen werden?
Ja, das ist möglich – aber rechtlich und steuerlich gibt es dabei einiges zu beachten. Der Übergang vom Dienstvertrag zum Arbeitsvertrag muss sauber gestaltet werden.
Wann ist Interim definitiv die falsche Wahl?
Wenn die Position dauerhaft besetzt werden soll, das Team eine langfristige Führungsperson braucht und keine zeitliche Dringlichkeit besteht. In diesem Fall kostet Interim mehr als es bringt.

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