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Digitalisierung scheitert nicht an der Technik: Wie Sie Ihr Team mitnehmen

7 Min. Lesezeit
Kurze Antwort

Digitalisierungsprojekte scheitern zu 70 % nicht an der Technologie, sondern daran, dass Mitarbeiter nicht eingebunden wurden. Change Management ist kein Add-on — es ist Teil der Umsetzung.

Warum Digitalisierungsprojekte wirklich scheitern

McKinsey, KPMG und der Bitkom kommen in ihren Studien zu ähnlichen Zahlen: Zwischen 60 und 70 Prozent aller Digitalisierungsprojekte erreichen ihre Ziele nicht. Nicht weil die gewählte Software schlecht war. Nicht weil das Budget fehlte. Sondern weil die Menschen, die mit dem neuen System arbeiten sollten, nicht mitgemacht haben — oder nicht konnten, weil man ihnen nie erklärt hat, warum.

Das ist kein neues Phänomen. Es ist so alt wie organisationaler Wandel selbst. Jede technische Veränderung in einem Unternehmen ist auch eine soziale Veränderung. Sie verändert Gewohnheiten, Verantwortlichkeiten, manchmal Statussymbole und Machtstrukturen. Wer das ignoriert und ein neues System wie ein Update einfach ausrollt, trifft auf Widerstand — aktiven oder passiven.

Passiver Widerstand ist dabei das gefährlichere Muster. Niemand sagt 'ich will das nicht'. Aber das System wird langsam, zuverlässig und ohne große Diskussion nicht genutzt. In kleinen Umgehungsroutinen, in parallelen Excel-Tabellen, in der Bitte 'schick mir das kurz per E-Mail'. Zwei Monate nach Go-Live läuft alles wieder wie vorher — nur dass nun auch noch das neue System gewartet werden muss.

INREMA-Perspektive

Change Management ist nicht das, was nach der Einführung kommt. Es ist das, was die Einführung erst möglich macht. INREMA integriert Mitarbeiterführung und Kommunikation von Beginn an in jedes Digitalisierungsprojekt.

Die häufigsten Fehler — und was sie auslösen

Fehler 1: Das Tool wird eingeführt, Schulung kommt zu spät oder gar nicht. Mitarbeiter stehen am ersten Arbeitstag mit dem neuen System allein da. Sie machen Fehler, verlieren Zeit, sind frustriert. Das assoziieren sie fortan mit dem System — nicht mit dem fehlenden Training. Fehler 2: Die Führungskraft nutzt das System selbst nicht. Diese Botschaft ist eindeutig: 'Das ist für euch, nicht für mich.' Kein Mitarbeiter wird ein System mit voller Überzeugung nutzen, das die Chefin oder der Chef selbst umgeht. Führung durch Vorbild ist in digitalen Transformationen nicht optional.

Fehler 3: Alte Gewohnheiten werden nicht explizit abgelöst. Wenn das neue CRM eingeführt wird, aber niemand sagt 'ab sofort wird kein Kundenkontakt mehr in Excel erfasst', dann passiert beides nebeneinander. Das Neue kostet Aufwand, das Alte ist vertraut. Solange beides möglich ist, gewinnt fast immer das Alte. Fehler 4: Der Nutzen wird nie kommuniziert — nur die Anforderung. 'Ab dem 1. werden alle Bestellungen über das neue System erfasst' ist eine Anweisung. 'Ab dem 1. erfassen wir Bestellungen über das neue System — das spart euch die manuelle Übertragung in die Buchhaltung und verhindert Tippfehler bei Bestellmengen' ist Führung.

Fehler 5: Kein Ansprechpartner für das Neue. Wenn bei Fragen niemand hilft, wird das neue System schnell zur Frustrationserfahrung. Benennen Sie intern mindestens eine Person, die das System kennt, Fragen beantwortet und als erste Anlaufstelle fungiert. Das entlastet auch externe Dienstleister und reduziert Reibung erheblich.

Change Management in der Praxis: Was funktioniert

  1. Früh einbinden — nicht informieren

    Es gibt einen großen Unterschied zwischen Einbinden und Informieren. Informieren heißt: 'Wir führen nächsten Monat ein neues System ein.' Einbinden heißt: 'Wir überlegen, welches System wir einführen — wer kennt die größten Probleme im aktuellen Prozess?' Menschen unterstützen Veränderungen, an deren Entstehung sie beteiligt waren. Das gilt auch für einfache Team-Mitglieder, nicht nur für Führungskräfte.

  2. Ehrlich kommunizieren — auch über Nachteile

    Kein System ist nur Vorteil. Wenn ein neues Tool zu Beginn langsamer ist als die alte Routine, sagen Sie das. 'In den ersten vier Wochen werden manche Abläufe länger dauern — das ist normal und geht vorbei.' Vertrauen entsteht durch Ehrlichkeit, nicht durch unrealistische Versprechen. Wer zum Start übertrieben positiv kommuniziert, verliert Glaubwürdigkeit beim ersten Problem.

  3. Schulen vor Go-Live — nicht danach

    Training muss vor der ersten Nutzung stattfinden, nicht als Reaktion auf Fehler danach. Idealerweise gibt es eine Testumgebung, in der Mitarbeiter das System ohne echte Konsequenzen ausprobieren können. Fehler in der Testphase sind Lernprozesse. Fehler in der Produktion sind Frustrationserlebnisse.

  4. Verantwortliche benennen, die die Veränderung treiben

    Change braucht einen Treiber — jemanden, der das Neue lebt, Fragen beantwortet und auch sechs Wochen nach Go-Live noch überprüft, ob das System tatsächlich genutzt wird. Das können Key-User aus dem Team sein, keine Führungskräfte. Menschen folgen oft eher Peers als Vorgesetzten, wenn es um operative Prozesse geht.

  5. Quick Wins sichtbar machen

    Kommunizieren Sie die ersten Erfolge aktiv. 'Seit wir das neue System nutzen, haben wir 30 % weniger Nachfragen beim Auftragseingang' ist eine Botschaft, die Verhalten verstärkt. Menschen bleiben bei Dingen, die nachweislich funktionieren. Sichtbare Ergebnisse sind das stärkste Change-Management-Instrument, das Sie haben.

  6. Widerstand als Information behandeln

    Wenn Mitarbeitende Widerstand zeigen, ist das fast immer ein Signal. Entweder wurde zu wenig kommuniziert, der Nutzen ist unklar, der Schulungsstand ist zu gering, oder das System ist tatsächlich schlechter als behauptet. Widerstand wegzudiskutieren oder zu ignorieren eskaliert ihn. Hinzuhören und konkret zu reagieren, löst ihn meistens.

Was Change Management konkret bedeutet — Checkliste

  • Betroffene früh beteiligen: Mitarbeiter, die das System täglich nutzen, in die Auswahl und Pilotphase einbeziehen.
  • Kommunikation des Nutzens: Warum ändert sich etwas? Was wird für wen besser? Diese Frage muss jeder Mitarbeitende beantworten können.
  • Schulung vor Livegang: Kein Go-Live ohne vorherige Hands-on-Schulung — in kleinen Gruppen, mit Testumgebung.
  • Key-User-Konzept: Mindestens eine interne Person pro Bereich, die das System überdurchschnittlich gut kennt und Ansprechpartner ist.
  • Führung durch Vorbild: Führungskräfte nutzen das neue System sichtbar und konsequent — keine parallelen Prozesse.
  • Alte Gewohnheiten aktiv abschalten: Klarer Stichtag, ab dem der alte Prozess nicht mehr verwendet wird.
  • Quick Wins kommunizieren: Erste Erfolge messen und im Team sichtbar machen — positive Verstärkung.
  • Feedbackschleife einplanen: Vier bis sechs Wochen nach Go-Live strukturiertes Feedback einholen und Probleme konkret lösen.

Was passiert, wenn Change Management ignoriert wird

Ein produzierendes Unternehmen aus NRW führte ein neues Produktionsplanungssystem für 120.000 Euro ein. Das System war technisch solide. Die Einführung erfolgte ohne vorherige Schulung, ohne interne Kommunikation über den Grund der Umstellung und ohne benannten Ansprechpartner. Drei Monate später nutzte das Produktionsteam das System für die Pflichtfelder — und führte parallel eine eigene Tabelle, weil 'das System zu umständlich' sei. Die Planung lief de facto weiter wie vorher. Ein externer Change-Management-Berater wurde neun Monate nach Go-Live beauftragt. Die Gesamtkosten lagen am Ende bei fast dem Doppelten des ursprünglichen Budgets.

Was tun, wenn Widerstand bereits da ist?

Wenn ein Digitalisierungsprojekt bereits läuft und Widerstand spürbar ist, ist es selten zu spät — aber die Maßnahmen müssen konkreter werden. Der erste Schritt: Hören Sie zu, ohne zu verteidigen. Fragen Sie die kritischsten Stimmen im Team, was konkret nicht funktioniert. Nicht in der Gruppe, sondern im Einzelgespräch. Die ehrlichsten Rückmeldungen kommen nicht im Meeting.

Häufig stellt sich dabei heraus, dass der Widerstand nicht gegen das System gerichtet ist, sondern gegen den Prozess der Einführung. 'Ich wurde nicht gefragt.' 'Ich verstehe nicht, warum wir das brauchen.' 'Ich bin mit dem alten System schneller.' Das sind lösbare Probleme — mit Information, Schulung und Einbindung. Was nicht lösbar ist: echte Systemfehler, die dem Team täglich Arbeit machen. Wenn das der Fall ist, muss das System nachgebessert werden, bevor Change Management greift.

Für Führungskräfte gilt: Wenn Sie selbst unsicher sind, ob das neue System das Richtige ist, spürt das Team das. Klarheit und Überzeugung der Führung sind keine Soft Skills — sie sind die Voraussetzung dafür, dass irgendjemand im Team das Neue wirklich ausprobiert. Investieren Sie zuerst in die eigene Überzeugung, bevor Sie andere überzeugen wollen.

Sofortmaßnahme für laufende Projekte

Wenn Sie gerade mitten in einem Digitalisierungsprojekt stecken und merken, dass die Akzeptanz fehlt: Starten Sie jetzt eine kurze anonyme Umfrage im Team — drei Fragen, fünf Minuten. Was funktioniert gut? Was nervt? Was fehlt? Die Ergebnisse zeigen Ihnen in einer Stunde, wo Sie konkret ansetzen müssen. Kein Change-Konzept ersetzt direktes Feedback aus dem Team.

Das Wichtigste auf einen Blick

Zusammenfassung
  • 70 % aller Digitalisierungsprojekte scheitern nicht an der Technik — sie scheitern daran, dass Menschen nicht eingebunden, geschult oder überzeugt wurden.
  • Change Management beginnt vor der Einführung, nicht danach: frühe Beteiligung, ehrliche Kommunikation, Schulung vor Go-Live.
  • Widerstand ist immer ein Signal — nicht ein Problem, das wegdiskutiert werden muss, sondern eines, das Gehör und konkrete Reaktion braucht.

Change Management von Anfang an mitdenken

Sie planen ein Digitalisierungsprojekt oder stecken mittendrin und merken, dass die Akzeptanz fehlt? INREMA begleitet Sie — von der Kommunikationsstrategie bis zur Einführung.

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Häufige Fragen

Was kostet Change Management zusätzlich?
Change Management ist kein separates Budget-Posten — es ist Teil des Projektplans. Erfahrungsgemäß sollten 15–25 % des Projektbudgets für Kommunikation, Schulung und Begleitung eingeplant werden. Das klingt viel, ist aber günstig im Vergleich zu einem System, das nach der Einführung nicht genutzt wird.
Muss ich einen externen Change-Management-Berater beauftragen?
Nicht zwingend. Für kleinere Projekte in KMU reicht oft ein strukturierter interner Ansatz mit klarer Kommunikation und einem benannten Key-User. Externe Begleitung lohnt sich bei komplexen, abteilungsübergreifenden Veränderungen oder wenn intern Neutralität fehlt.
Wie gehe ich mit einem Mitarbeiter um, der das neue System aktiv ablehnt?
Zuerst: Zuhören und den konkreten Grund verstehen. Häufig steckt dahinter Angst vor Kontrollverlust, Unsicherheit mit der Technik oder ein echtes Problem mit dem System. Erst danach: klares Gespräch über die Erwartung. Wenn Schulung, Einbindung und offene Kommunikation nicht helfen, ist es ein Führungsthema.
Wie lange dauert Change Management bei einer typischen Software-Einführung?
Die aktive Begleitung läuft idealerweise von der Entscheidungsphase bis sechs bis acht Wochen nach Go-Live. Danach reicht eine monatliche Feedbackschleife. Der größte Teil des Aufwands liegt vor der Einführung — nicht danach.

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