Google Fonts lokal einbinden: Warum und wie konkret
Kurz gesagt
Google Fonts müssen lokal auf dem eigenen Server gehostet werden, nicht über den Google-CDN geladen. Das Landgericht München I hat 2022 entschieden, dass die dabei übertragene Besucher-IP-Adresse ohne Einwilligung rechtswidrig ist. Die Umstellung dauert unter einer Stunde und beseitigt das Risiko vollständig.
Warum das Risiko größer ist, als 100 Euro vermuten lassen
Abmahnkanzleien und automatisierte Scan-Dienste durchsuchen das Web systematisch nach Websites, die weiterhin Google Fonts über den CDN laden. Bei einer Website mit spürbarem Besucheraufkommen reicht schon eine zweistellige Zahl an Beschwerden, um einen Schaden im vierstelligen Bereich zuzüglich Anwaltskosten zu erreichen. Seit dem Urteil sind bundesweit mehrere tausend entsprechende Abmahnungen verschickt worden — das Thema gehört zu den häufigsten Abmahngründen überhaupt.
Was vor der Umstellung gebraucht wird
- Der Name der verwendeten Google-Font-Familie — steht im Quelltext der Seite.
- Zugriff auf den Webserver per FTP oder über den Hosting-Dateimanager.
- Bearbeitungsrechte für die CSS-Datei der Website.
- Bei CMS-Betrieb optional Zugriff auf passende Plugins zur Automatisierung.
- Rund 30 bis 60 Minuten Zeit für die Umsetzung.
Google Fonts in fünf Schritten lokal einbinden
- Fonts identifizieren: im Quelltext oder Browser-Entwicklertool nach `@import` oder `<link>`-Einbindungen von `fonts.googleapis.com` suchen und die verwendeten Schriftfamilien und Schnitte notieren.
- Fonts herunterladen: die passenden Font-Dateien (WOFF2 bevorzugt) für alle benötigten Schnitte beschaffen, etwa über einen Google-Fonts-Downloader oder direkt von der Font-Quelle.
- Dateien hochladen: die heruntergeladenen Schriftdateien in einen eigenen Ordner auf dem Webserver legen, etwa `/assets/fonts/`.
- CSS anpassen: `@font-face`-Regeln mit dem lokalen Pfad ergänzen und alle bisherigen Verweise auf den Google-CDN aus CSS und Templates entfernen.
- Google-Verbindung prüfen: im Browser-Netzwerk-Tab kontrollieren, dass keine Anfragen mehr an `fonts.googleapis.com` oder `fonts.gstatic.com` gehen.
Schnell-Check ohne technische Kenntnisse
Kostenlose Online-Scanner für Drittanbieter-Verbindungen zeigen auf einen Blick, ob eine Domain noch Verbindungen zu Google-Servern aufbaut — ein einfacher, anonymer Test, der in wenigen Sekunden ein Ergebnis liefert und sich auch für eine regelmäßige Kontrolle eignet.
Nach der Umstellung
Die Datenschutzerklärung sollte aktualisiert und jeder Hinweis auf Google Fonts als externen Dienst entfernt werden. Wer bereits eine Abmahnung erhalten hat, sollte nicht ohne rechtliche Prüfung zahlen — ein spürbarer Teil der verschickten Abmahnungen ist formal fehlerhaft und lässt sich erfolgreich zurückweisen.