10 Fragen, die Sie einer Webagentur stellen sollten, bevor Sie beauftragen
Kurz gesagt
Prüfen Sie vor der Beauftragung, wem der Quellcode gehört, welches CMS eingesetzt wird, ob alle Zugangsdaten übergeben werden und ob Referenzkunden direkt kontaktiert werden dürfen. Eine seriöse Agentur beantwortet diese und sechs weitere Fragen klar und ohne Ausweichen – wer zögert oder vage bleibt, ist ein Warnsignal.
Warum die Agentur-Auswahl so oft scheitert
Die Agentur-Auswahl scheitert in der Praxis fast immer an denselben Fehlern. Der häufigste: Der Preis ist das einzige Kriterium, günstige Angebote werden bevorzugt, ohne zu hinterfragen, was dafür geliefert wird – und was nicht. Was fehlt, wird später teuer nachgekauft: Pflege, Änderungen, Zugangsdaten, Erklärungen. Der zweite Fehler: fehlende Transparenz wird nicht hinterfragt. Aussagen wie „Das läuft alles über uns" klingen nach Service, sind aber oft die Ankündigung einer Abhängigkeit. Der dritte Fehler: unklare Erwartungen auf beiden Seiten – kein schriftliches Briefing, keine Abnahmekriterien, keine Regelung für Änderungen nach Launch. Daraus entstehen Streit, Nachforderungen und Projekte, die nie wirklich abgeschlossen werden.
Die 10 Fragen im Überblick
- Wem gehört der Quellcode nach Projektabschluss? Eine seriöse Agentur antwortet klar: Mit vollständiger Zahlung gehen alle Rechte an Code, Design und Inhalten auf Sie über. Weicht die Agentur aus oder bietet nur eine Nutzungslizenz an, ist Vorsicht geboten.
- Welches CMS wird eingesetzt und warum? WordPress, Typo3, Joomla, Contao – oder eine Eigenentwicklung? Eigenentwicklungen sind nicht per se schlecht, erzeugen aber Abhängigkeit. Fragen Sie nach Exportfunktionen und Langzeitpflege.
- Erhalte ich alle Zugangsdaten vollständig? Hosting-Panel, FTP/SSH, Datenbank, CMS-Admin, Domain-Registrar. Eine seriöse Agentur dokumentiert und übergibt alle Zugangsdaten bei Projektabschluss.
- Wie läuft die Projektübergabe ab? Quellcode, Dokumentation, Schulung, Zugangsdaten, Abnahme, Reaktionszeit bei Fehlern nach Launch – eine klare Antwort zeigt professionelle Prozesse.
- Wer ist mein fixer Ansprechpartner? Fehlender Ansprechpartner bedeutet Informationsverlust und Frust bei jeder Änderungsanfrage.
- Wie werden Änderungen nach Launch berechnet? Stundensatz, Pflege-Paket, kostenlose Fehlerbehebung versus kostenpflichtige Änderungswünsche – ohne Antwort drohen später Überraschungsrechnungen.
- Haben Sie Referenzen in meiner Branche? Wichtiger als das Portfolio sind die Referenzkunden dahinter. Fragen Sie, ob Sie einen Kunden direkt kontaktieren dürfen.
- Wie gehen Sie mit DSGVO und Impressumspflicht um? Wer das als unwichtig abtut, liefert möglicherweise eine Website, die von Anfang an nicht gesetzeskonform ist. Fragen Sie konkret nach Cookie-Einwilligung, lokal gehosteten Google Fonts, Datenschutzerklärung und Impressum nach aktuellem DDG.
- Wie lange dauert das Projekt realistisch? Lassen Sie sich einen verbindlichen Zeitplan mit Meilensteinen geben. Pauschale Versprechen wie „in zwei Wochen fertig" bei komplexen Projekten sind unrealistisch.
- Was passiert, wenn Sie als Agentur wegfallen? Insolvenz, Geschäftsaufgabe, Teamwechsel – eine gute Agentur hat eine Antwort: dokumentierter Code, übertragbare Zugangsdaten, standardisierte Systeme.
Red-Flag-Liste
- Kein schriftlicher Vertrag oder nur ein halbseitiges Dokument ohne Details
- Keine klare Antwort auf die Quellcode-Frage oder Ausweichmanöver
- Preis deutlich unter Marktniveau ohne erklärten Grund
- Druck bei der Entscheidung: „Angebot gilt nur diese Woche"
- Keine eigenen Referenzen – nur Stock-Fotos als Beispielprojekte
- Kein fixer Ansprechpartner, wechselnde Kommunikation
- Ablehnung der Referenzkunden-Kontaktaufnahme
- Vage oder fehlerhafte Aussagen zu DSGVO und Impressum
- Eigenentwicklung als CMS ohne Export-Funktion oder Dokumentation
- Hostingvertrag läuft auf die Agentur, nicht auf Sie
Was in den Vertrag gehört
Ein guter Webagentur-Vertrag regelt mindestens: den Leistungsumfang mit konkreter Seitenanzahl, Funktionen und Sprachen statt vager Formulierungen wie „professionelle Website"; die Eigentumsrechte, die mit vollständiger Bezahlung vollständig auf den Auftraggeber übergehen – nicht nur eine einfache Nutzungslizenz; Abnahme und Gewährleistung mit klaren Kriterien und mindestens sechs Monaten Gewährleistung auf wesentliche Funktionen; die Zugangsdaten-Pflicht mit vollständiger Übergabe spätestens bei Projektabschluss; die Datenschutz-Verantwortung für eine DSGVO-konforme Umsetzung zum Lieferzeitpunkt; und eine Kündigungsklausel, die regelt, welche Leistungen bei vorzeitiger Kündigung abzugelten sind und wie übergeben wird.