Wix, Webflow oder doch eine eigene Lösung? So treffen Sie die richtige Entscheidung
Kurz gesagt
No-Code-Plattformen wie Wix, Webflow oder Squarespace sind für viele Unternehmen die richtige Wahl — auch wenn INREMA damit keinen Auftrag bekommt. Entscheidend ist, wann die Grenzen dieser Plattformen erreicht werden: bei komplexer Geschäftslogik, DSGVO-Anforderungen an Hosting oder starkem Wachstum. Wer seine Anforderungen für die nächsten drei Jahre kennt, trifft die richtige Entscheidung.
Was No-Code-Plattformen wirklich können
Wix, Webflow und Squarespace haben sich stark weiterentwickelt. Für viele Anwendungsfälle liefern sie heute Ergebnisse, die vor einigen Jahren nur mit erheblichem Entwicklungsaufwand möglich waren. Die Frage ist nicht mehr, ob No-Code gute Websites bauen kann, sondern wann man an Grenzen stößt, die teuer werden.
Diese Grenzen werden selten klar kommuniziert. Verkauft wird Freiheit und Kontrolle. Was nicht im Pitch steht: proprietäre Exportformate, eingeschränkte Hosting-Optionen, Datenschutzfragen durch US-Server und die Abhängigkeit von einer Plattform, die ihre Preise jederzeit ändern kann. Wer auf einer No-Code-Plattform aufbaut und dann herauswächst — wegen Compliance-Anforderungen, wachsender Komplexität oder strategischer Entscheidungen —, steht vor einem Wechsel der gesamten technischen Basis, nicht vor einem Upgrade.
Wann No-Code die richtige Wahl ist
- Präsenz-Website ohne komplexe Funktionen: Visitenkarte, Dienstleistungsübersicht, Kontaktformular
- Schneller Start wichtig: Markteinführung oder Relaunch innerhalb weniger Wochen
- Keine spezifischen Datenschutz-Hosting-Anforderungen durch Branche oder Kunden
- Nicht-technische Pflege: Inhalte werden intern ohne Entwickler-Kenntnisse geändert
- Budget unter 5.000 Euro für Aufbau und erstes Betriebsjahr
- Ausprobieren vor der Entscheidung: neue Produktlinie testen ohne großes Investment
- Design-Priorität: Webflow bietet visuelle Kontrolle, die manche Entwickler-Teams nicht leisten
Wann man aus No-Code herauswächst
- Eigene Geschäftslogik: ein Konfigurator, ein Rechner, ein mehrstufiger Prozess — keine Plattform-App deckt das ab
- DSGVO verlangt deutsches Hosting: Wix und Squarespace hosten primär in den USA
- Komplexe CRM- oder ERP-Integration: proprietäre Schnittstellen sind oft limitiert oder teuer
- Starkes Traffic-Wachstum: Plattform-Limits werden spürbar, Kontrolle über die Performance fehlt
- Vendor-Lock-in wird zum Risiko: eine Preiserhöhung oder Plattform-Einstellung ist nicht mehr abstrakt
- Mehrsprachigkeit auf hohem Niveau: automatische Übersetzungen reichen nicht mehr aus
- Individuelle Performance-Anforderungen: Core Web Vitals unter voller Kontrolle nötig
Das Vendor-Lock-in-Risiko konkret
Inhalte auf Wix oder Squarespace gehören Ihnen — der Export ist aber strukturell eingeschränkt. Design, Animationen, Struktur und plattformeigene Funktionen lassen sich nicht mitnehmen. Wer die Plattform verlässt, baut neu. Das ist kein Problem, wenn man es vorher weiß: Wix erhöhte 2023 die Abo-Preise um durchschnittlich 35 Prozent, Squarespace wurde 2024 von einem Finanzinvestor übernommen. Wer tief auf einer Plattform aufgebaut hat, kann darauf nicht flexibel reagieren.
Datenschutzrechtlich betrifft das vor allem Kontaktformulare, Nutzer-Tracking, Analytics und E-Commerce-Daten. Wix, Squarespace und Webflow hosten ihre Server primär in den USA. Seit dem Schrems-II-Urteil des EuGH und dem aktuellen EU-US-Datenschutzrahmen ist die Lage entspannter, aber nicht risikofrei — wer in einem regulierten Bereich tätig ist oder Geschäftskunden mit EU-Hosting-Anforderung hat, sollte das vorab rechtlich prüfen. Selbst gehostetes WordPress auf einem deutschen Server löst dieses Problem vollständig, zu Kosten, die im Drei-Jahres-Vergleich oft ähnlich liegen wie ein Wix-Business-Plan.
So treffen Sie die Entscheidung
1. Anforderungen für die nächsten drei Jahre definieren — nicht nur für heute. 2. Datenschutz- und Hosting-Anforderungen prüfen: Verarbeiten Sie Kundendaten, unterliegen Sie einer Branchenregulierung, fordern Geschäftskunden EU-Hosting? 3. Eine Exit-Strategie realistisch einschätzen: Wie aufwendig ist ein Wechsel in drei Jahren, was lässt sich mitnehmen? 4. Die Gesamtkosten über drei Jahre berechnen — Plattformkosten plus Pflege gegen einmalige Entwicklung plus Hosting und Wartung. 5. Eine Plattform-Demo mit den eigenen wichtigsten Anforderungen testen, nicht mit den Showcase-Beispielen. 6. Die Entscheidung dokumentieren und einen Revisionspunkt festlegen, etwa nach 18 Monaten.