Das A2A-Protokoll: Wie eigenständige KI-Agenten unternehmensübergreifend kommunizieren
Kurz gesagt
A2A (Agent2Agent) ist ein seit 20. April 2026 produktionsreifes Protokoll unter Linux-Foundation-Governance für die Zusammenarbeit eigenständiger KI-Agenten über Agent Cards, Tasks, Messages und Artifacts. Es löst ein anderes Problem als MCP: A2A verbindet Agenten miteinander, MCP verbindet Hosts mit Werkzeugen. Eine Agent Card beweist dabei ausdrücklich nicht die Vertrauenswürdigkeit eines fremden Agenten — sie beschreibt nur dessen Fähigkeiten.
Die Grundbausteine des Protokolls
A2A definiert vier zentrale Elemente: Eine Agent Card beschreibt, was ein Agent kann und wie er angesprochen wird — vergleichbar mit einem digitalen Steckbrief. Ein Task ist eine konkrete Arbeitsaufgabe, die ein Agent an einen anderen delegiert. Messages sind der Austausch während der Bearbeitung einer Aufgabe. Artifacts sind die Ergebnisse, die am Ende zurückgeliefert werden. Über diese vier Bausteine können Agenten unterschiedlicher Anbieter oder Organisationen strukturiert zusammenarbeiten, ohne dass jede Kombination eine individuelle Integration braucht.
Wichtiger Unterschied zu Multi-Agent-Systemen im eigenen Haus
A2A ist nicht dasselbe wie mehrere intern koordinierte KI-Agenten in einem einzelnen Unternehmen, die gemeinsam an einer Aufgabe arbeiten. A2A ist speziell für die Kommunikation zwischen eigenständigen, organisatorisch getrennten Agenten gedacht — etwa wenn ein Vertriebsagent des eigenen Unternehmens eine Produktprüfung an einen entfernten Agenten eines Zulieferers delegiert. Innerhalb eines Unternehmens bleibt oft ein einfacheres, enger gekoppeltes Multi-Agent-Design sinnvoller.
Der zentrale Mythos: Eine Agent Card ist kein Vertrauensnachweis
Ein verbreiteter, aber falscher Mythos lautet, eine Agent Card beweise, dass ein fremder Agent vertrauenswürdig sei. Das stimmt nicht: Die Karte beschreibt lediglich Fähigkeiten und Ansprechbarkeit. Echtes Vertrauen erfordert zusätzlich eine Prüfung von Identität, Betreiber, Verhaltensrichtlinien und der tatsächlichen Ergebnisqualität. Aus Sicht des Gegenübers bleibt ein A2A-Agent grundsätzlich opak — man sieht das Ergebnis, nicht zwangsläufig den internen Ablauf.
Zwei dokumentierte Einsatzmuster
Delegation mit Freigabepflicht: Ein Vertriebsagent delegiert eine Produktprüfung an einen entfernten Agenten, das daraus entstehende Angebot bleibt aber freigabepflichtig durch eine Person im eigenen Unternehmen — der externe Agent trifft keine verbindliche Entscheidung im Namen des Unternehmens.
Kombination von A2A und MCP: In einem Szenario erhält ein externer, per A2A angebundener Agent ausdrücklich keine lokalen Zugriffstoken; die eigentliche Werkzeugausführung bleibt vollständig im internen Vertrauensbereich, der über MCP gesteuert wird. Diese Kombination zeigt, wie beide Protokolle sich ergänzen können, statt sich zu ersetzen.
Ein weiterer Mythos: Mehr Agenten sind nicht automatisch klüger
Ebenfalls ausdrücklich falsch ist die Annahme, mehr beteiligte Agenten machten einen Prozess automatisch intelligenter. Tatsächlich erhöht jeder zusätzliche, insbesondere externe Agent die Kommunikations-, Zustands-, Berechtigungs- und Fehlerkomplexität eines Prozesses. Ein zusätzlicher Agent sollte deshalb — genau wie bei internen Multi-Agent-Systemen — einen konkret belegbaren Zweck haben, bevor er in einen Geschäftsprozess eingebunden wird.
Was das für Unternehmen praktisch bedeutet
A2A wird relevant, sobald ein Unternehmen KI-Agenten organisationsübergreifend mit Partnern, Zulieferern oder Dienstleistern verbinden will — etwa für automatisierte Anfragen, Angebotsvergleiche oder Statusabfragen. Wichtig bleibt: Die Standardisierung der Kommunikation ersetzt nicht die eigene Prüfung, wem man tatsächlich vertraut, welche Entscheidungen ein externer Agent treffen darf und wo eine menschliche Freigabe zwingend bleibt.