Interim CFO: Finanzführung auf Zeit für den Mittelstand
Kurz gesagt
Ein Interim CFO ist eine erfahrene Finanzführungskraft auf Zeit, die operative Verantwortung übernimmt – für Liquiditätsmanagement, Reporting, Bankkommunikation und strategische Finanzentscheidungen. Die meisten Mandate laufen drei bis neun Monate, Restrukturierungs- oder Digitalisierungsprojekte können bis zu zwölf Monate dauern.
Was ein Interim CFO macht – und was nicht
Ein Interim CFO übernimmt die Gesamtverantwortung für den Finanzbereich eines Unternehmens – befristet, aber mit vollem operativem Mandat. Er führt das Finanzteam, verantwortet das Reporting an Geschäftsführung und Gesellschafter, steuert die Liquidität, kommuniziert mit Banken und Investoren und sorgt dafür, dass die Zahlen nicht nur stimmen, sondern auch verständlich sind. Was er nicht ist: ein Buchhalter auf Zeit oder ein externer Controller, der monatlich einen Bericht einreicht. Im Mittelstand fehlt diese Rolle häufig ganz oder ist im Geschäftsführer gebündelt, der sie neben allem anderen mit erledigt. Genau hier entfaltet ein Interim CFO seinen größten Wert: professionelle Finanzführung, ohne eine dauerhafte Stelle zu schaffen.
Typische Einsatzszenarien
- Vakanz: Der bisherige CFO oder die kaufmännische Leitung hat gekündigt oder ist ausgefallen – Brücke bis zur Nachbesetzung.
- Restrukturierung: Das Unternehmen steckt in einer finanziellen Krise und braucht sofort jemanden mit Sanierungserfahrung.
- M&A-Vorbereitung: Verkauf, Fusion oder Beteiligungsprozess – der Interim CFO führt den Datenraum und begleitet die Due Diligence.
- Digitalisierung der Finanzfunktion: Einführung neuer ERP- oder Reporting-Systeme ohne internen Projektleiter.
- Wachstumsphase: Scale-up oder Internationalisierung erfordern strukturierte Finanzplanung und Investorenkommunikation.
- Erstmalige Professionalisierung: Ein Unternehmen mit bisher rudimentärer Finanzsteuerung will belastbare Strukturen aufbauen.
Was ein Interim CFO konkret leistet
Die Leistungen lassen sich in vier Kernbereiche gliedern. Liquiditätsmanagement: Cashflow-Engpässe analysieren, Working Capital optimieren, Zahlungsläufe steuern und die Zahlungsfähigkeit jederzeit sichern – in Krisen oft die dringendste Aufgabe. Reporting und Controlling: ein belastbares Berichtswesen aufbauen oder reparieren, inklusive Monatsbericht, Forecast, Plananpassung und Management-Dashboard. Bankkommunikation und Finanzierungsstruktur: Kreditverhandlungen, Covenant-Monitoring, Umschuldung, neue Kreditlinien – der Interim CFO spricht die Sprache der Banken und kennt die nötigen Unterlagen. Investor Relations und strategische Finanzplanung: in wachstumsstarken Unternehmen oder vor Transaktionen Finanzmodelle, Business-Pläne und Präsentationen für Gesellschafter, Investoren oder potenzielle Käufer erstellen.
Den richtigen Interim CFO auswählen
1. Aufgabe klar definieren: Geht es primär um Krisenmanagement, um Vakanzüberbrückung oder um ein strategisches Projekt? Ein Sanierungs-CFO ist ein anderes Profil als ein M&A-CFO. 2. Branchenerfahrung prüfen: Konzernerfahrung allein macht niemanden zum passenden Kandidaten für ein 50-Mann-Unternehmen im Maschinenbau – Mittelstandserfahrung ist entscheidend, weil sich Rahmenbedingungen, Ressourcen und Denkweisen fundamental unterscheiden. 3. Referenzen und Track Record prüfen: konkrete, messbare Ergebnisse aus früheren Mandaten erfragen – welche Liquiditätskrise wurde wie gelöst, welcher M&A-Prozess begleitet, mit welchem Ergebnis. 4. Persönliche Chemie nicht unterschätzen: Der Interim CFO arbeitet eng, oft täglich, mit der Geschäftsführung zusammen. Ein persönliches Gespräch vor der Entscheidung ist Pflicht. 5. Vertrag und Mandat präzise aufsetzen: Tagessatz, Laufzeit, Verlängerungsoption, Berichtspflichten, Entscheidungsbefugnisse und Exit-Regelung müssen vor dem Start klar sein.
Kosten im Vergleich zur Festanstellung
Der direkte Vergleich überrascht viele: Ein Interim CFO mit einem Tagessatz von 1.800 Euro und 16 Arbeitstagen pro Monat kostet rund 28.800 Euro monatlich – ohne Sozialabgaben, Urlaubsanspruch, Dienstwagen oder Recruiting-Kosten. Ein fest angestellter CFO mit einem Bruttojahresgehalt von 120.000 Euro kostet unter Berücksichtigung aller Nebenkosten schnell 180.000 bis 220.000 Euro pro Jahr, also 15.000 bis 18.000 Euro monatlich. Auf den ersten Blick wirkt der Interim CFO teurer. Auf den zweiten Blick relativiert sich das: Beim Festangestellten kommen mehrere Monate Recruiting, sechs bis zwölf Monate bis zur vollen Wirksamkeit und ein Abfindungsrisiko bei schlechtem Fit hinzu. Der Interim CFO ist in zwei Wochen da, ab Woche fünf voll wirksam und geht ohne Abfindung, wenn das Mandat endet. Für Mandate unter zwölf Monaten ist Interim in den meisten Fällen wirtschaftlich mindestens gleichwertig, oft günstiger. Wichtig: Ohne klares Mandat und Entscheidungsbefugnis im Finanzbereich kann ein Interim CFO seine Wirkung nicht entfalten – wer ihm jeden Schritt genehmigen lässt, hat einen teuren Berater ohne Durchgriff engagiert, keinen CFO.