Was ein Interim Manager in den ersten 30 Tagen leisten muss
Kurz gesagt
Ein gutes Interim-Mandat beginnt nicht mit Aktionismus, sondern mit Orientierung — verstehen, einordnen, priorisieren, erst dann entscheiden und führen. Wer diese Reihenfolge überspringt, trifft Entscheidungen auf Basis von Annahmen statt auf Basis des tatsächlichen Zustands im Unternehmen.
Die vier Phasen der ersten 30 Tage
- Woche 1 — verstehen: Zuhören steht im Mittelpunkt — Gespräche mit dem Team, der Geschäftsführung und, wo sinnvoll, mit Schlüsselkunden. Wo stehen Prozesse, was läuft, was stockt, was wusste nur die Person, die jetzt fehlt? Wer diesen Schritt überspringt, trifft Entscheidungen auf Basis von Annahmen.
- Woche 2 — einordnen: Aus den Gesprächen entsteht ein Bild davon, was wirklich kritisch ist — und was sich nur kritisch anfühlt, weil der Ausfall Unsicherheit erzeugt hat. Diese Einordnung braucht das Verständnis aus Woche eins, deshalb kommt sie danach, nicht gleichzeitig.
- Woche 3 — priorisieren: Jetzt wird entschieden, woran gearbeitet wird und woran nicht — welche Baustelle am dringendsten ist, wer im Team was trägt, wo Entscheidungen seit Monaten aufgeschoben wurden. Priorisierung dient nicht dazu, beschäftigt zu wirken, sondern dem Team wieder Orientierung zu geben.
- Woche 4 — entscheiden und führen: Das Mandat läuft: Entscheidungen werden getroffen, Prozesse geführt, das Team hat eine klar kommunizierende Ansprechperson. Das bedeutet nicht, dass alle Probleme gelöst sind — sondern dass das Unternehmen wieder handlungsfähig ist und die Grundlage für einen sauberen Übergang steht.
Welche Voraussetzungen das Unternehmen schaffen muss
- Klare Befugnisse: Ein Interim Manager, der für jede Entscheidung Rücksprache halten muss, kann nicht führen, sondern nur verwalten.
- Transparenz über die Situation: Wer nur ausgewählte Informationen zur Verfügung stellt, kauft sich eine eingeschränkte Wirkung.
- Ein vereinbartes Ziel des Mandats: Überbrückung, strukturelle Verbesserung oder Unterstützung bei der Suche nach einer dauerhaften Lösung — ohne Klarheit darüber bleibt auch das beste Mandat unter seinen Möglichkeiten.
Pool-Lösung oder persönliches Interim Management
Viele Anbieter vermitteln Interim Manager aus einem Pool — das bringt schnelle Verfügbarkeit und eine breite Auswahl, hat aber einen Nachteil: Der Anbieter kennt die Kandidaten meist nur aus Unterlagen und einem Gespräch und haftet nicht für das Ergebnis. Persönliches Interim Management bedeutet dagegen, dass eine konkrete Person mit eigenem Namen Verantwortung für das übernimmt, was im Mandat passiert — nicht als Vertreter eines Pools. Der Unterschied zeigt sich nicht im Angebot, sondern im tatsächlichen Mandat.
Was nach dem Mandat bleiben muss
Ein gutes Interim-Mandat hinterlässt mehr als die reine Stabilisierung der akuten Situation — es hinterlässt eine Grundlage, auf der die dauerhafte Lösung aufbauen kann: dokumentierte Prozesse, ein wieder funktionierendes Team und eine Übergabe, die tatsächlich stattfindet, nicht nur formal. Wer nach dem Mandat genauso dasteht wie vorher, nur ohne die akute Lücke, hat das Potenzial des Mandats nicht ausgeschöpft.