Datenschutz & Compliance

Google Analytics abschalten: Was danach zu tun ist

Kurz gesagt

Zuerst eine Alternative wie Matomo installieren und testen, dann erst Google Analytics entfernen. Danach Datenschutzerklärung und Cookie-Banner aktualisieren und historische Daten vorher sichern.

Warum Unternehmen wechseln

Mehrere europäische Aufsichtsbehörden — darunter Österreich als erste EU-Behörde bereits 2022, gefolgt von Frankreich, Dänemark und den Niederlanden — haben den Einsatz von Google Analytics in bestimmten Konstellationen als rechtswidrig eingestuft: Das Tool überträgt IP-Adressen und andere personenbezogene Daten in die USA, ohne dass ein durchgängig angemessenes Schutzniveau nach EU-Standard gewährleistet ist. Das seit 2023 geltende EU-US Data Privacy Framework mildert das Problem, bleibt aber politisch und juristisch angreifbar. Viele Unternehmen wechseln deshalb nicht nur aus Pflichtgefühl, sondern weil europäische Alternativen inzwischen funktional vergleichbar sind.

Die gängigen Alternativen

  • Matomo On-Premise: Open Source, selbst auf eigenem Server gehostet, volle Datenkontrolle, uneingeschränkte DSGVO-Konformität, cookieloser Betrieb möglich, kostenlos abgesehen von Hosting-Kosten.
  • Plausible Analytics: datenschutzfreundlich konzipiert, kein Cookie-Banner nötig, sehr leichtgewichtiges Skript unter 1 KB, einfache Oberfläche, kostenpflichtig ab rund 9 Euro im Monat.
  • Fathom Analytics: Privacy-First-Ansatz mit EU-Hosting-Option, DSGVO-konform, ähnlich Plausible, kostenpflichtig.
  • Google Analytics 4 mit IP-Anonymisierung: weiterhin mit US-Datentransfer verbunden — das grundlegende Problem bleibt trotz Anonymisierung bestehen, nur vertretbar, wenn bewusst in Kauf genommen.

Der Wechselprozess Schritt für Schritt

  • Alternative auswählen und installieren: Entscheidung treffen — Matomo für maximale Kontrolle empfohlen —, Hosting vorbereiten, Software installieren.
  • Tracking-Code der Alternative einbauen: in den Website-Header, idealerweise über Tag Manager oder direkt im Theme, mit Testphase.
  • Google-Analytics-Code entfernen: aus Header, Theme-Dateien und Plugins.
  • Google Tag Manager prüfen: alle GA-Tags deaktivieren oder entfernen, GTM selbst auf Notwendigkeit prüfen.
  • Datenschutzerklärung aktualisieren: Google Analytics entfernen, neue Alternative mit Rechtsgrundlage beschreiben.
  • Cookie-Banner anpassen: GA-Cookies wie _ga oder _gid entfernen; bei cookieloser Alternative die Kategorie Analyse gegebenenfalls ganz streichen.
  • Google-Analytics-Property deaktivieren: in der Verwaltung die Property löschen oder Tracking pausieren.
  • Datenexport vor Deaktivierung: historische Berichte als CSV sichern, BigQuery-Export prüfen.
  • 30 Tage überwachen: neue Tracking-Daten auf Plausibilität prüfen, Abweichungen analysieren.

Ein Hinweis am Rand: Auch der Google Tag Manager selbst kann datenschutzrechtlich relevant sein, unabhängig von Google Analytics — er lädt JavaScript von Google-Servern nach, was einen potenziellen Datentransfer bedeutet. Es lohnt sich zu prüfen, ob GTM noch gebraucht wird oder Tracking-Codes direkt eingebunden werden können.

Was sich nach dem Wechsel ändert

Die neuen Daten sind nicht direkt mit den alten vergleichbar — Matomo und Plausible zählen Besuche methodisch etwas anders, in den ersten Wochen sind Abweichungen normal. Standard-Berichte müssen neu aufgebaut werden. Das ist zugleich eine gute Gelegenheit, nur die Kennzahlen zu verfolgen, die für die eigenen Geschäftsziele tatsächlich relevant sind — weniger Daten, mehr Klarheit.

Häufige Fragen

Ist Google Analytics in Deutschland noch erlaubt?
Nicht grundsätzlich verboten, aber der Datentransfer in die USA ist ohne geeignete Schutzmaßnahmen rechtlich riskant.
Was geht beim Wechsel verloren?
Historische Daten, sofern nicht exportiert, gewohnte Berichtsstrukturen und die direkte Google-Ads-Integration; alle Kernmetriken bleiben erhalten.
Braucht Matomo nach dem Wechsel noch einen Cookie-Banner?
Nur bei aktivierten Cookies; im cookielosen Betrieb entfällt die Einwilligungspflicht.