Interim vs. sofortige Festanstellung: Eine ehrliche Abwägung
Kurz gesagt
Interim Management ist richtig, wenn Geschwindigkeit und Flexibilität zählen; Festanstellung ist richtig, wenn langfristige Kulturentwicklung und Kontinuität entscheidend sind. Auf den Tagessatz bezogen wirkt Interim teurer, doch ohne Lohnnebenkosten, Kündigungsfristen und Fehlbesetzungsrisiko relativiert sich das häufig.
Worum es wirklich geht
Wer eine kurzfristige Stabilisierung braucht, aber fest einstellt, wartet oft vier Monate auf den richtigen Kandidaten. Wer eine langfristige Führungsposition besetzen will, aber einen Interim Manager auf unbestimmte Zeit engagiert, zahlt am Ende drauf. Beide Fehler sind teuer. Die folgende Abwägung hilft, die passende Entscheidung zu treffen, nicht die bequemere.
Das spricht für Interim Management
- Sofortbedarf: Die Lücke muss in zwei bis vier Wochen geschlossen werden.
- Befristeter Bedarf: Das Problem ist zeitlich klar begrenzt – Projekt, Restrukturierung, Überbrückung.
- Spezialkompetenz: Es wird Expertise gebraucht, die dauerhaft nicht im Haus benötigt wird.
- Flexibilität: Das Unternehmen will sich nicht langfristig binden.
- Neutralität: Ein Externer kann Entscheidungen treffen, die intern politisch belastet wären.
Das spricht für sofortige Festanstellung
- Langfristige Führungsaufgabe: Die Position wird dauerhaft besetzt bleiben.
- Kulturentwicklung: Die Führungskraft soll Team und Unternehmenskultur über Jahre prägen.
- Budget: Der Interim-Tagessatz ist auf Dauer nicht tragbar.
- Teamkontinuität: Das Team braucht eine dauerhafte Vertrauensperson.
- Nachfolgeplanung: Die Stelle ist Teil einer mittelfristigen Unternehmensstrategie.
Entscheidungsprozess in fünf Schritten
1. Zeithorizont klären: Ist die Aufgabe zeitlich begrenzt oder dauerhaft angelegt? 2. Verfügbarkeit und Dringlichkeit prüfen: Wie schnell muss die Lücke geschlossen sein, und wie realistisch ist eine Festbesetzung in diesem Zeitrahmen? 3. Kompetenzbedarf analysieren: Wird die Spezialkompetenz dauerhaft im Unternehmen gebraucht oder nur für die aktuelle Situation? 4. Kostentransparenz herstellen: Die tatsächlichen Gesamtkosten beider Optionen gegenüberstellen – inklusive Recruiting, Nebenkosten und Fehlbesetzungsrisiko, nicht nur Tagessatz gegen Gehalt. 5. Hybridmodell prüfen: Oft ist die beste Lösung eine Kombination statt eines Entweder-oder.
Eine falsche Festanstellung auf Führungsebene kostet im Schnitt das 1,5- bis 3-fache des Jahresgehalts – durch Produktivitätsverlust, Teamschäden, Abfindung und erneute Suche. Das relativiert den Tagessatz eines guten Interim Managers erheblich.
Der häufigste Denkfehler: Entweder-oder
Interim Management und Festanstellung schließen sich in der Praxis nicht aus. Die stärkste Lösung ist oft: Ein Interim Manager überbrückt die Lücke und begleitet gleichzeitig die Suche nach der Festbesetzung. So läuft das Unternehmen stabil, und die Festanstellung kann ohne Zeitdruck richtig besetzt werden – statt unter Druck die erstbeste verfügbare Person einzustellen.