Interim Management

Interim ist nur für Großunternehmen: Was daran falsch ist

Kurz gesagt

Interim Management ist längst im Mittelstand angekommen. Bereits Unternehmen ab etwa 50 Mitarbeitenden profitieren von erfahrenen Interim Managern – zu planbaren Kosten zwischen 800 und 1.500 Euro Tagessatz und ohne Langzeitbindung.

Der Mythos im Klartext

Die Vorstellung, Interim Management sei nur etwas für Unternehmen mit Tausenden von Mitarbeitenden, stammt aus den 1990er-Jahren. Damals waren Interim Manager fast ausschließlich in Konzernen tätig, weil dort die Mandate bekannt waren, die Netzwerke existierten und die Budgets vorhanden schienen. Seitdem hat sich der Markt grundlegend verändert – der Bundesverband Interim Management verzeichnet seit Jahren einen deutlichen Anstieg von Mandaten in Unternehmen mit 50 bis 500 Mitarbeitenden.

Eine typische Fehleinschätzung lautet: „Interim Manager kosten ein Vermögen – das können wir uns nicht leisten." Das verkennt, dass ein Interim Manager keine Vollzeitstelle ersetzt, sondern einen klar definierten Bedarf für einen begrenzten Zeitraum abdeckt. Gerechnet auf die tatsächliche Laufzeit eines Mandats sind die Kosten oft niedriger als eine Fehlbesetzung im Festangestelltenverhältnis.

Die Realität im Mittelstand

Tagessätze für Interim Manager im mittelständischen Umfeld liegen je nach Spezialisierung zwischen 800 und 1.500 Euro. Ein dreimonatiges Mandat mit rund 60 Arbeitstagen kostet damit zwischen 48.000 und 90.000 Euro – inklusive aller Nebenkosten, ohne Arbeitgeberanteile, ohne Onboarding-Aufwand für eine Feststelle, ohne Abfindungsrisiko. Für viele mittelständische Situationen – Überbrückung nach Kündigung einer Führungskraft, Restrukturierung einer Abteilung, Projektleitung für ein zeitlich begrenztes Vorhaben – ist das ein kalkulierbarer und oft günstigerer Weg als eine überstürzte Festanstellung.

Fakten, die den Mythos widerlegen

  • Mandate dauern heute oft nur drei bis sechs Monate – kein Langzeit-Commitment erforderlich.
  • Interim Manager arbeiten auch in Teilzeit-Mandaten, etwa drei Tage pro Woche – kosteneffizient für kleinere Unternehmen.
  • Kein Recruiting-Aufwand, kein Onboarding-Risiko, keine Probezeit.
  • Erfahrene Interim Manager kennen mittelständische Strukturen und Entscheidungswege aus eigener Praxis.
  • Der Mittelstand macht heute nach Näherungswerten über 40 Prozent aller Interim-Mandate in Deutschland aus.

So nutzt der Mittelstand Interim Management richtig

1. Bedarf klar definieren: Welche konkrete Lücke oder welches Projekt soll abgedeckt werden? 2. Passende Mandate identifizieren: Vakanzüberbrückung, Restrukturierung oder ein zeitlich klar begrenztes Projekt eignen sich am besten. 3. Kosten realistisch durchrechnen: Gesamtkosten über die Mandatslaufzeit den Kosten einer Festanstellung oder Fehlbesetzung gegenüberstellen. 4. Interimer mit Mittelstandserfahrung wählen: Erfahrung mit flachen Hierarchien und direkten Entscheidungswegen zählt mehr als reine Konzernvergangenheit. 5. Klares Mandat schriftlich fixieren: Ziel, Umfang und Laufzeit von Anfang an eindeutig festhalten.

Ein sinnvoller Einstieg ist ein kleineres Mandat – etwa drei Monate mit drei Tagen pro Woche –, um Erfahrung mit dem Instrument zu sammeln. Das begrenzt das finanzielle Risiko und zeigt schnell, ob Interim Management zur Unternehmenskultur passt.

Fazit

Interim Management ist kein Luxus für Konzerne, sondern ein flexibles Führungsinstrument, das der Mittelstand heute gezielt und kosteneffizient einsetzen kann – wenn der Auftrag klar ist und die richtige Person gewählt wird.

Häufige Fragen

Ab welcher Unternehmensgröße lohnt sich Interim Management?
Bereits ab etwa 50 Mitarbeitenden, vorausgesetzt es gibt einen klar definierten Bedarf und ein Budget von mindestens 30.000 bis 50.000 Euro für das Mandat.
Was kostet ein Interim Manager im Mittelstand?
Tagessätze liegen je nach Spezialisierung zwischen 800 und 1.500 Euro. Kürzere Mandate von rund drei Monaten sind typisch und planbar, ohne versteckte Nebenkosten wie bei einer Festanstellung.
Kann ein Interim Manager auch in Teilzeit arbeiten?
Ja. Viele Mandate im Mittelstand laufen auf Basis von drei Tagen pro Woche. Das senkt die Kosten und reicht für viele Führungs- und Projektaufgaben aus.
Was unterscheidet einen guten Mittelstands-Interimer von einem Konzern-Manager?
Erfahrung mit flachen Hierarchien, direkten Entscheidungswegen und begrenzten Ressourcen. Ein guter Mittelstands-Interimer führt ohne großen Stab und bringt trotzdem messbare Ergebnisse.