Interim-Referenzen nicht geprüft: Was das kosten kann
Kurz gesagt
Ungeprüft übernommene Referenzen sind das häufigste Einfallstor für teure Fehlbesetzungen bei Interim-Mandaten. Referenzen dürfen und sollten auch selbst recherchiert werden – über LinkedIn, Unternehmensregister oder gemeinsame Kontakte, nicht nur über die vom Kandidaten genannten Personen.
Warum Referenzprüfung beim Interim so wichtig ist
Bei der Festanstellung ist Referenzprüfung Standard. Beim Interim Manager wird sie erschreckend häufig übersprungen – weil der Zeitdruck hoch ist, weil der Anbieter das Profil empfiehlt, weil der Lebenslauf überzeugend klingt. Doch Interim Manager operieren oft in kritischen Phasen: Restrukturierung, Krise, Vakanz. Eine Fehlbesetzung in dieser Phase kostet nicht nur den Tagessatz – sie kostet Zeit, Vertrauen, manchmal das Projekt selbst. Die Referenzprüfung ist die günstigste Absicherung, die sich hier treffen lässt.
Typische Fehler und was sie kosten
1. Nur schriftliche Referenzen akzeptieren: Ein Anschreiben oder eine schriftliche Bestätigung liefert keine belastbaren Informationen über Stärken, Schwächen und schwierige Momente im Mandat. 2. Referenzgeber nicht selbst auswählen: Wer nur die vom Kandidaten genannten Kontakte anruft, hört fast ausschließlich positive Rückmeldungen. 3. Kein strukturiertes Gespräch führen: Ohne festen Fragenkatalog bleiben Referenzgespräche oberflächlich und liefern kaum verwertbare Erkenntnisse. 4. Branchenkontext nicht prüfen: Eine hervorragende Referenz aus einer völlig anderen Branche oder Unternehmensgröße sagt wenig über die Eignung für die aktuelle Situation aus. 5. Lücken im Lebenslauf nicht hinterfragen: Kurze Mandate oder unerklärte Pausen verdienen eine direkte, sachliche Nachfrage statt stillschweigender Akzeptanz.
Ein Interim Manager, der Referenzgespräche verweigert oder verzögert, ist ein klares Ausschlusskriterium – kein seriöser Kandidat hat etwas zu verbergen.
Sofortmaßnahmen vor der Beauftragung
- Mindestens zwei telefonische Referenzgespräche führen – mit direkten Auftraggebern, nicht mit Kollegen.
- Referenzgeber selbst recherchieren, etwa über LinkedIn oder Unternehmensregister, statt nur die vom Kandidaten genannten Personen anzurufen.
- Einen strukturierten Fragenkatalog nutzen: Mandat, Ergebnis, Schwächen, Wiederengagement.
- Den Branchenkontextfit prüfen: Passt die Referenz zur aktuellen Situation?
- Lücken und kurze Mandate aktiv ansprechen.
Eine solide Prüfroutine aufbauen
Sinnvoll ist eine interne Regel, dass jede Interim-Beauftragung ab einem bestimmten Tagessatz mindestens zwei verifizierte Referenzgespräche erfordert, geführt anhand eines standardisierten Fragenkatalogs und schriftlich dokumentiert. Wird über einen Provider beauftragt, lohnt sich die Nachfrage, welche Referenzprüfung der Provider selbst durchgeführt hat – und die Bitte, die Dokumentation zu zeigen. Wer das nicht liefert, hat sie nicht gemacht. LinkedIn ist dabei eine gute Recherche-Grundlage: Gemeinsame Kontakte zwischen dem Unternehmen und dem Interim Manager liefern oft ungebetene, aber ehrliche Einschätzungen.