Übergabe nach dem Interim richtig gestalten
Kurz gesagt
Eine strukturierte Übergabe nach dem Interim sichert die erreichten Ergebnisse – durch Dokumentation, Wissenstransfer und klare Verantwortlichkeiten ab dem ersten Tag nach dem Mandat. Die Übergabephase sollte mindestens vier Wochen dauern, bei komplexen Mandaten auch sechs bis acht Wochen.
Warum die Übergabe so oft scheitert
In der Praxis läuft es häufig so: Das Mandat war erfolgreich, alle sind zufrieden, der Endtermin rückt näher – und plötzlich wird klar, dass die wichtigsten Prozesse, Entscheidungsgrundlagen und Kontakte noch im Kopf des Interim Managers stecken. Eine strukturierte Übergabe wird in der Auftragsplanung selten explizit als eigene Phase definiert, sondern als selbstverständlich angenommen – und deshalb stiefmütterlich behandelt. Dabei ist die Übergabe kein Verwaltungsakt, sondern der letzte und entscheidende Schritt des Mandats.
Was bei der Übergabe häufig vergessen wird
- Dokumentation laufender Prozesse, die der Interim Manager im Kopf hatte.
- Persönliche Kontakte zu Kunden, Lieferanten und Behörden – mit Kontext.
- Offene Punkte und Entscheidungen, die noch nicht abgeschlossen sind.
- Lessons Learned: Was wurde versucht, was hat nicht funktioniert?
- Übergabe-Gespräche mit dem Team, nicht nur mit dem Nachfolger.
Übergabe Schritt für Schritt
1. Übergabephase frühzeitig einplanen: nicht erst in der letzten Woche, sondern als eigene Phase im Mandatsvertrag verankern. 2. Übergabe-Dokument erstellen: Projektstatus, offene Entscheidungen, Kontakte und eine To-do-Liste für die ersten 30 Tage des Nachfolgers. 3. Nachfolger frühzeitig einbinden: wo möglich, überlappende Zeit für direkten Wissenstransfer schaffen. 4. Team-Kommunikation nicht dem Nachfolger überlassen: der Interim Manager selbst kommuniziert das Mandatsende und den Übergang. 5. Abschluss-Review mit dem Auftraggeber: Ergebnisse, offene Punkte und Lernpunkte gemeinsam durchgehen. 6. Erreichbarkeit nach Mandatsende klären: eine begrenzte Nachbetreuungszeit vorab vereinbaren.
Ein häufiger Fehler: Der Interim Manager wird in den letzten Wochen schleichend aus Entscheidungen herausgehalten, weil der Nachfolger schon bekannt ist. Ergebnis: Er kann nicht mehr sauber übergeben, weil er keinen vollständigen Überblick mehr hat. Übergabe und Entscheidungskompetenz müssen bis zum letzten Tag parallel laufen. Sinnvoll ist, das Übergabe-Dokument bereits im Mandatsvertrag als Lieferobjekt zu definieren – dann ist es kein optionaler Bonus, sondern vertraglich vereinbarte Leistung.
Was eine gute Übergabe wirklich bedeutet
Eine saubere Übergabe ist kein Zeichen von Schwäche oder übertriebenem Perfektionismus, sondern der Beweis, dass das Mandat wirklich erfolgreich war – nicht nur während der Laufzeit, sondern nachhaltig. Unternehmen, die Übergaben konsequent professionell gestalten, verkürzen nach Näherungswerten die Zeit bis zur vollen Leistungsfähigkeit des Nachfolgers deutlich. Die Übergabe ist deshalb keine Formalität, sondern eine eigenständige Phase, die geplant, budgetiert und aktiv gestaltet werden muss – idealerweise schon im Mandatsvertrag verankert.